Ein immer wieder beliebtes Motiv ist unser galaktische Zentrum, die Milchstraße. Wobei ich gestehen muss, dass es sehr wenige Bilder von der Milchstraße gibt, die mir persönlich wirklich gefallen. Das liegt insbesondere daran, dass die Milchstraße auf den meisten Bildern so extrem und künstlich bearbeitet ist, dass sie mit der mit den Augen gesehenen Realität überhaupt nichts mehr zu tun hat. Ist aber natürlich mein ganz persönlicher Geschmack und soll keine objektive Abwertung dieser Aufnahmen sein 😉

Ansonsten ist unsere Heimatgalaxie aber natürlich ein sehr spannendes galaktisches Thema. Von außen betrachtet ähnelt sie einer spiralförmig verzogenen Scheibe mit einem Durchmesser von rund 120.000 Lichtjahren ((für Klugscheißer 😉 sind das 1,892146e+18 Kilometer bzw. 61.320 parsec) bei einer Dicke von 500 bis 3.000 Lichtjahren.

Die Milchstraße ist ein sich im Kreis drehendes kosmisches Karussell, wir bzw. unser Sonnensystem benötigen dabei ungefähr 200 bis 250 Millionen Jahre für eine volle Umdrehung – das letzte Mal als wir an unserem heutigen Standort in diesem Karussell gekreiselt sind, lebten also noch Dinosaurier auf unserem Planeten.

Im Zentrum unserer Galaxie befindet sich ein gewaltiges Schwarzes Loch namens Sagittarius A*. Es wird vermutet, dass es die Masse von vier Millionen Sonnen besitzt. Aber keine Angst, es ist viel zu weit von uns entfernt, als dass es unser Sonnensystem verschlingen könnte. Wobei, wer würde nicht gerne einmal hinter den Ereignishorizont eines schwarzen Loches blicken 😉

Die Gesamtzahl der Sterne der Milchstraße wird auf zwischen 100 und 400 Milliarden geschätzt. Eine genauere Angabe ist derzeit nicht möglich, ist für uns aber auch nicht wirklich relevant, da wir mit bloßem Auge sowieso nur maximal 6.000 Sterne von der Erde aus erkennen können. Berücksichtigt man dann noch, dass ein Beobachter ja immer nur den halben Sternenhimmel, also über der Nord- oder der Südhalbkugel sieht, reduziert sich die Zahl der Sterne noch einmal auf etwa 3.000.

Fotografisch gesehen liegt das Geheimnis guter galaktischer Bilder vor allem in einer gründlichen Planung und Vorbereitung. Die beste Ausrüstung, der optimale Stand der Milchstraße über der wunderbarsten Landschaft nützen überhaupt nichts, wenn die Milchstraße aufgrund von Wetter, Lichtverschmutzung oder Vollmond gar nicht am Himmel zu sehen ist. Hier habe ich daher einmal eine ausführliche Sammlung an nützlichen Helferlein in Form von Websites und Apps zur entsprechenden Prüfung zusammengestellt.

Eine wesentliche Rolle im Rahmen der Planung spielt natürlich der jeweilige Stand der Milchstraße. Am besten sehen und fotografieren könnt Ihr unser galaktische Zentrum in Deutschland in den Sommermonaten. Allerdings liegt auch dann die Milchstraße nur knapp über dem südlichen Horizont. Dazu kommt, dass die wirklich dunklen Stunden im Sommer ja eher spärlich gesät sind. Besser sieht es da im September und Oktober aus. Das Zentrum steht dann noch gerade so über dem Horizont und es wird insgesamt ausreichend dunkel.

Bei der Planung des geeigneten Foto-Standorts im Hinblick auf den Stand und Position der Milchstraße ist das kostenlose, interaktive Planetarium Stellarium die erste Adresse. Für jeden Ort der Welt könnt Ihr Euch dort für jedes Datum eine Prognose über die Sichtbarkeit und den Stand von über 600.000 Himmelskörpern erstellen lassen.

Sind Ort und Zeit für das geplante Bild ausgedeutet und erreicht, geht es endlich ans Fotografieren. Dabei empfehle ich Euch, weit vor Dunkelheit an Eurem geplanten Standort einzutreffen. Dann habt Ihr nämlich ausreichend Zeit für die Suche nach einer spannenden Komposition aus Vordergrund und Himmel. Mit der App Photopills könnt Ihr Euch dazu übrigens direkt vor Ort mit Hilfe von Virtual Reality die Milchstraße in Eurer Landschaft anzeigen lassen.

Ich arbeite bei der Fotografie der Milchstraße immer mit einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv (zur Sicherheit übrigens auch in der Nacht mit aufgesetzter Sonnenblende). Zum einen bekomme ich damit einen großen Himmelsausschnitt auf mein Bild. Zum anderen würde mir persönlich bei einer Aufnahme von nur der Milchstraße die Spannung im Bild fehlen. Ganz im Gegenteil, je interessanter der Vordergrund, desto außergewöhnlich wird die Aufnahme – die Milchstraße an sich sieht am Ende ja immer gleich aus 😉 Einen solchen Vordergrund könnten neben einer faszinierenden Landschaft auch Bäume, Zelte, Häuser oder Personen darstellen. Achtet dabei auch darauf, dass dieses Motiv für ausreichend Zeichnung entsprechend beleuchtet ist. Entweder durch vorhandene Lichtquellen, durch Mondlicht oder auch durch den Einsatz einer starken Taschenlampe.

Weiter besteht eine sinnvolle Ausrüstung für die Fotografie der Milchstraße aus:

  • Einem stabilen Stativ (z.B. von Leofoto) – und gleichzeitig deaktiviertem Bildstabilisator bzw. aktivierte Spiegelvorauslösung
  • Einem Fernauslöser, ich bevorzuge hierbei einen zuverlässigen Kabelauslöser
  • Ausreichend Akkus für langes Fotografieren in einer kalten Nacht
  • Stirnlampe mit Rotlichtfunktion zur blendfreien Bedienung der Ausrüstung
  • Warme Kleidung, im Dunkeln ist es nämlich kälter als Nachts 😉

Ist es dann dunkel genug und die Milchstraße nähert sich der gewünschten Position, folgt die nächste Herausforderung: das Fokussieren. Wobei ich hier den Vorteil habe, dass meine aktuelle Kamera, die Olympus OMD E-M1 Mark III einen sogenannten Sternenhimmel Autofokus besitzt und damit in der Nacht tatsächlich ein automatisches Fokussieren erlaubt.

Ansonsten empfehle ich Euch das Fokussieren über die Lupenfunktion im Live-View-Modus. Orientiert Euch dabei an einem hellen Stern, an einem weit entfernten beleuchteten Gebäude oder an einem mit einer starken Taschenlampe angeleuchteten entfernten Gegenstand. Erstellt dann so lange eine Testaufnahmen, bis der Fokus wirklich knackig scharf sitzt.

Die nächste Herausforderung stellt dann das korrekte Belichten dar. Aufgrund der Erdrotation könnt Ihr nicht so lange belichten wie Ihr vielleicht möchtet. Aber einer gewissen Zeit werden die Sterne nämlich nicht mehr knackig scharf und punktförmig abgebildet, sondern fangen an sich in kurze Striche zu verwandeln. Damit das nicht passiert könnt Ihr Euch mit folgender Formel helfen:

300 / (Crop-Faktor x Brennweite) = maximale Belichtungsdauer

Für mich bedeutet das z.B. bei einem 7-mm-Objektiv und dem MFT Cropfaktor von 2, dass ich maximal 300/(2 x 7) = 21 Sekunden belichten kann. Je näher Ihr dabei in Richtung Polarstern fotografiert, desto eher könnt Ihr die Formel auch mit einem Formelwert von 500 oder sogar 600 ausprobieren. Macht am besten mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Zeiten und kontrolliert, bis zu welcher Zeit die Sterne noch gerade so punktförmig abgebildet werden.

Um später möglichst viele Details in der Milchstraße erkennen und herausarbeiten zu können müsst Ihr in der errechneten maximalen Belichtungszeit so viel Licht wie möglich mit Eurer Kamera sammeln. Arbeitet also mit möglichst offener Blende und ISO-Werten von 1.600 und mehr. Am Ende hängt das aber natürlich auch ein wenig von dem Rauschverhalten Eurer Ausrüstung ab.

Die Rauschreduzierung nehme ich dabei im Nachhinein am Rechner und nicht bereits während der Aufnahme in der Kamera vor.

In Bezug auf Rauschverhalten bzw. einer längeren Belichtung wäre die Verwendung eine Nachführung (am besten auf halber Geschwindigkeit, damit der Vordergrund nicht gleich verwischt) und/oder das Stacking mehrerer einzelner Aufnahme eine bessere Lösung. Das macht es aber natürlich gleich wieder deutlich aufwendiger.

Ich persönlich mag es wie bereits erwähnt sowieso nicht, wenn die Milchstraße zu detailliert und unnatürlich wirkt und arbeite daher immer nur mit einer einzelnen, wie beschrieben belichteten Aufnahme.

Auch in der Bildbearbeitung achte ich daher darauf, nicht zu sehr „an den Reglern zu drehen“. In Adobe Lightroom passe ich neben dem Weißabgleich insbesondere (lokal) die Klarheit, Lichter, Kontrast, Belichtung sowie den Weiß- und Schwarzanteil an. Aber eben nur soweit, wie das Bild noch am ehesten dem originalen RAW entspricht.

Der deutlich rötliche Himmel auf der Beispielaufnahme resultiert übrigens aus einer ganz besonderen „Lichtverschmutzung“ direkt aus der Hölle.