„Ich bin ein Astronaut“, schreie ich in die weite, leere Welt hinein. Denn genauso fühle ich mich: wie ein Astronaut auf einem fremden, weit entfernten, einzigartigen Eisplaneten. Ich bin wahrscheinlich der abgeschiedenste Mensch auf der ganzen Erde – und fühle mich gut, verdammt gut dabei. Denn genau in diesem Moment lebe ich mein Motto: „Die with Memories, not with Dreams“ – „Stirb mit deinen Erinnerungen, nicht mit deinen Träumen“. Und zwar zu 100 Prozent. Direkt vor mir thront der steil vergletscherte Krater eines mächtigen Vulkans, unter meinen dicken, klobigen Polarstiefeln leuchtet strahlend blau eine fast diamantharte Eisschicht, hinter mir liegt eine sich scheinbar unendlich dahinziehende Ebene aus reinstem Schnee, bis zum Horizont. In meinem dicken rot-blauen Polaranzug, mit der tiefschwarzen Sonnenbrille und der den Kopf so gut wie vollständig verhüllenden Fellkapuze sehe ich sogar fast aus wie ein Astronaut.

Die einzigen Zeugnisse, dass ich mich wohl doch auf unserem Heimatplaneten befinde, sind die knallroten Zelte knapp 50 Meter von mir entfernt, direkt auf dem Eis aufgeschlagen, und das trotz der unvorstellbar klaren Luft nur gerade noch so erkennbare Flugzeug. Es hat uns vor zwei Tagen hierhergebracht und wartet nun unter mir in der Ebene geduldig auf unsere Rückkehr. Hier! Im größten Niemandsland unserer Erde, dem Marie-Byrd-Land, inmitten des westlichen Teils der Antarktis. Weiter ist kein Ort von der Zivilisation entfernt. 

Ich atme tief ein, koste die unberührte Luft und sauge den Augenblick in mich auf. Der Himmel wirkt durch die dunkle Brille so blau wie der tiefste Ozean, und die Sonne schwirrt wie ein glühend weißes, unbekanntes Flugobjekt in der Luft. Dabei ist es so still, dass ich die vom Wind umhergewirbelten, winzigen Eiskristalle hören kann, wie sie knisternd auf meinen Polaranzug treffen. Ich könnte heulen vor so viel Ruhe, Frieden und Schönheit – und würde am liebsten die Zeit anhalten. Immer tiefer versinke ich in meinen Gedanken … und drehe dabei die Uhr in meinem Kopf fünf Tage zurück.

Der Flug zum Mond

Schon die Anreise hierher ähnelte mehr einem Flug zum Mond als einer Reise auf unserem Planeten. Unangenehm eingequetscht wie ein Kosmonaut in einer russischen Sojus-Kapsel saß ich in einer mehr als spartanischen Sitzreihe. Über mir baumelte bedrohlich eine Kranvorrichtung, um mich herum verbeultes und verschrammtes Blech, hinter mir ein alter, leicht zerfetzter Vorhang, keine Fenster. Und doch saß ich in einem Flugzeug. Genauer: in einer Iljuschin IL76, einem russischem Transportflugzeug, konstruiert für Einsätze bei bis zu -70 Grad. Für verdammt kalte Gebiete also. Mit diesem Biest von Flugzeug würden wir in wenigen Minuten von dem trostlosen Flughafen in Punta Arenas im südlichen Chile aus in die Antarktis fliegen, Zielort: „Union Glacier, Antarctica“, wie es groß auf meiner Bordkarte stand.“

(Auszug aus meinem Volcanic 7 Summits Buch.)

 

Die V7S und mein Traum vom All

Mein Volcanic 7 Summits Projekt habe ich in 2017 am Mount Sidley, dem höchsten Vulkan der Antarktis begonnen. Dieser befindet sich im Mary Bird Land, dem größten Niemandsland auf unserem Planeten. Tausende Kilometer entfernt von der nächsten Zivilisation. Die Stille, die klare Luft, das unendliche Eis, das Fehlen jeglicher Lebewesen fühlt sich an wie ein anderer Planet in den unentdeckten Weiten unseres Universums.

Auf diesem „Eisplaneten“ lebe ich so auch meinen größten Traum, meinen Traum von einem Flug ins Weltall. Ob ich diesen jemals werde realisieren können steht sicher in den Sternen (bin ganz begeistert von dieser Metapher 🙂 ), doch in der Antarktis bin ich diesem Traum so nahe gekommen, wie es auf der Erde nur möglich ist.

Ob ich diesem Traum mittlerweile ein wenig näher komme, lest Ihr gerne HIER.